Forever Punk
English first. German follows (SuS No. 34)
My name is Schorsch, one calls out cheerfully.
My name is Tedi, the next one rasps.
Mein Name ist Moro, the third calls out, surprisingly in German. His voice sounds comparatively well-behaved.
Und ich bin Alexander, calls the last one, his voice slowed down. He sounds tired.
I know the voices and names, the order, even their sound and rhythm, by heart. I don’t know why certain things stick and stay with you for life. With some lines, sounds, or smells, it’s simply like that. During our studies, a tutor once told us, “You certainly won’t remember the civil law details of this case in ten years. But you’ll definitely still remember the name of the horse.” It was called Mathador.
The four guys — Schorsch, Ted, Moro, and Alexander — call out their names in the song “Der Brief.” A Goldene Zitronen track made for singing along. So many songs are made for singing along. I wore long, dyed-black hair and felt the music and lyrics of the Zitronen deep in my bones. They sang about coming home from school, always being in trouble, and then suddenly there was a letter. From her. I sang along with a grin. They sang about long hair and always being teased for it, but Dad said to stay strong and do what you thought was right. They sang about loving a skinhead girl who hit hard, but you loved her anyway. About Laila, the girl who wasn’t a mermaid and whose hair wasn’t made of wire, yet somehow wasn’t of this world. They sang about friendships, marijuana, and punk. In “Für immer Punk,” they made a case for staying punk forever, rock forever, sick forever, and stoned forever. Sick, to be with the nurse forever. To be with her forever. All of it landed. The music was human and perfect in its imperfection. It was accessible. Their instruments, voices, the North German dialect, the words and stories — they spoke to me and spoke for me.
A small jump of roughly thirty years: A few weeks ago, I reached out to various music labels to request permission for quotes. Some demanded a fee. Others didn’t reply. And then I actually got an email. Informal, first-name basis. Of course, I could quote them. Tedi. Immediately, it rang in my ears. With Schorsch, Moro, and Alexander. The CD albums called “Kampfstern Mallorca dockt an” or simply “F*** you” — I no longer own them in physical form. But I can still see them: the square CD cases, the colors of the covers, and the disc itself. My fingers remember how I opened the cases, pressed out the CD, placed it in the player, and hit the close button. The hum of the laser, paired with a soft click when you jumped straight to track number eight. Track 8 was the secret hit of the album — I can’t remember who first claimed that, but we appreciated ideas like that. Spoonman by Soundgarden and Drain You by Nirvana at least confirmed the nonsense.
Sometimes I jumped straight to whichever song matched my mood. Other albums I’d listen to in full. The Zitronen I put on permanent repeat.
On the way home from the far east of Shanghai toward the city center, I suddenly hear something familiar on my taxi’s radio. The music isn’t particularly loud, but I recognize the melody. Maybe the lyrics are even in Chinese, I wonder — cover versions of world music exist in every corner of the globe. While I wait for the vocals to kick in, I study the driver. He’s young, neatly dressed, with a fresh haircut, and focused. The car is tidy. I glance at the monitor in the center console, but only understand Chinese — and right now, not even that. “Forever young,” the singer wishes — now I hear it clearly. It’s not the Alphaville original, but it sounds decent until the cheap bass drops in and tears the emotions and longing to pieces. What a shame, I think, and find myself wondering at hearing this song right now, of all times, in a Chinese DiDi taxi of all places.
This morning on the way to work, I dug through the Spotify shelf, found the Zitronen album, and played “Für immer Punk.” Had I stayed that way? Had I remained who we had so loudly sworn to be back then? Thin, short hair now. Lines and worries on my face. Far from the friends of those days. From the nurse. At least punk still speaks to me. And sometimes the punk in me…
Für immer Punk
My name is Schorsch, ruft einer fröhlich.
My name is Tedi, ruft der nächste heiser.
Mein Name ist Moro, ruft der Dritte überraschend auf Deutsch. Seine Stimme klingt vergleichsweise brav.
Und ich bin Alexander, ruft der Letzte, wobei man seine Stimme verlangsamt hat. Er klingt müde.
Ich kenne die Stimmen und Namen, Reihenfolge und selbst Klang und Rhythmus auswendig. Ich weiß nicht, warum sich einiges einprägt und ein Leben lang haften bleibt. Bei einigen Zeilen, Klängen oder Düften ist es einfach so. Im Studium erklärte uns ein Repetitor: „Sie werden sich sicherlich in zehn Jahren nicht mehr an die zivilrechtlichen Feinheiten dieser Fallgestaltung erinnern. Aber ganz sicher werden Sie noch den Namen des Pferdes aus diesem Fall kennen.” Es hieß Mathador.
Die vier Jungs, Schorsch, Ted, Moro und Alexander, rufen ihre Namen im Song „Der Brief”. Ein Lied der Goldenen Zitronen zum Mitsingen. So viele Lieder zum Mitsingen. Ich trug lange, schwarz gefärbte Haare und fühlte Musik und Texte der Zitronen. Sie sangen davon, wie man von der Schule nach Hause kam, wie man immer nur Ärger hatte, aber da lag plötzlich ein Brief. Von ihr. Fröhlich sang ich mit. Sie sangen von langen Haaren, dass man immer damit gehänselt würde, aber Papa sagte, man solle stark bleiben und tun, was man für richtig hielt. Sie sangen von der Liebe zu einem Skinheadmädchen, das hart zuschlug, aber man es dennoch liebte. Von Laila, dem Mädchen, das zwar keine Meerjungfrau war und dessen Haar nicht aus Draht bestand, aber sie dennoch nicht von dieser Welt war. Sie sangen über Freundschaften, Marihuana und Punk. In „Für immer Punk” plädierten sie auch dafür, für immer Rock, für immer krank und für immer breit zu sein. Krank, um für immer bei der Krankenschwester zu sein. Für immer bei ihr zu sein. All das saß. Die Musik war menschlich und in ihrer Imperfektion perfekt. Sie war nahbar. Ihre Instrumente, Stimmen, der norddeutsche Dialekt, die Worte und Geschichten sprachen mich an und mir aus der Seele.
Ein kleiner Zeitsprung von gut dreißig Jahren: Vor ein paar Wochen kontaktierte ich diverse Musiklabels, um Freigabe für Zitate zu erbitten. Einige forderten eine Gebühr. Andere antworteten nicht. Und tatsächlich erhielt ich eine Mail. Da duzte mich wer. Klar könne ich sie zitieren. Tedi. Sofort klang es in meinen Ohren. Mit Schorsch, Moro und Alexander. Die CD-Alben namens „Kampfstern Mallorca dock an” oder einfach „F you” besitze ich in physischer Form nicht mehr. Ich sehe sie noch vor mir, die quadratischen CD-Hüllen, die Farben der Cover und der CD. Meine Finger erinnern sich, wie ich Hüllen öffnete, die CD herausdrückte, in den CD-Player legte und die „close”-Taste drückte. Das Surren des Lasers, gepaart mit einem sanften Klicken, wenn man direkt zu Song Nummer 8 sprang. Song 8 war der geheime Hitsong der CD – ich erinnere mich nicht mehr, wer das einmal behauptet hatte, aber wir wertschätzten solche Ideen. Spoonman von Soundgarden und Drain You von Nirvana bestätigten zumindest den Nonsens.
Manchmal sprang ich direkt zu einem Song, der meiner Stimmung entsprach. Andere Alben hörte ich komplett. Die Zitronen stellte ich direkt auf Dauer-Repeat.
Auf dem Heimweg aus dem fernen Osten Shanghais in Richtung Stadtzentrum höre ich plötzlich Altbekanntes aus dem Radio meines Taxis. Die Musik ist nicht sonderlich laut, aber dennoch ist mir die Melodie bekannt. Sind die Texte vielleicht sogar auf Chinesisch, frage ich mich, denn in vielen Ländern der Welt gibt es Cover-Songs bekannter Weltmusik. Während ich auf das Einsetzen des Gesangs warte, betrachte ich den Fahrer. Er ist jung, anständig gekleidet, hat einen frischen Haarschnitt und wirkt konzentriert. Das Auto ist aufgeräumt. Ich schaue auf den Monitor in der Mittelkonsole, verstehe aber nur Chinesisch – und gerade dieses nicht. „Forever young” wünscht sich der Sänger – jetzt vernehme ich es ganz genau. Es ist nicht das Original von Alphaville, aber es klingt gut – bis die billigen Bässe einsetzen und die Emotionen und Sehnsüchte zerstückeln. Schade drum, denke ich mir, und wundere mich, dieses Lied gerade jetzt und ausgerechnet in einem chinesischen DiDi-Taxi zu hören.
Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit kramte ich im Spotify-Regal das Zitronen-Album hervor und spielte „Für immer Punk”. War ich es geblieben? War ich so geblieben, wie wir es uns damals lauthals geschworen hatten? Mit schütterem, kurzem Haar. Falten und Sorgen im Gesicht. Weit entfernt von den Freunden von damals. Der Krankenschwester. Zumindest spricht immer noch Punk zu mir. Und manchmal der Punk in mir…

